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Lumi mit seinem kleinen Kissen.

NACHTMONSTER · ETWA 8–10 MINUTEN VORLESEZEIT

Lumi und der verschwundene Mond

Mit Karl, einem kleinen Kissen und einer ziemlich großen Wolke.

Lumi hatte ein Kissen dabei.

Es war kaum größer als eine Scheibe Brot, hatte vier weiche Ecken und einen winzigen Knopf auf der Rückseite. Lumi trug es unter dem Arm, als wäre es etwas sehr Wichtiges.

„Wofür brauchst du das?“, fragte Karl.

„Falls ich einen gemütlichen Platz finde“, sagte Lumi.

Karl schaute vom Bett zum Teppich und vom Teppich zum Sessel.

„Hier gibt es ziemlich viele.“

Lumi nickte zufrieden. „Ein gutes Zimmer.“

Das kleine Nachtmonster hatte die Farbe des Himmels kurz vor dem Einschlafen. Auf seinem Bauch lag ein goldener Halbmond. Wenn Lumi gähnte, wurde der Halbmond ein bisschen breiter.

Karl kannte Lumi noch nicht lange. Das Gedanken-Monster hatte die beiden an diesem Abend miteinander bekannt gemacht. Nun saß es neben dem Bücherregal und versuchte, sich ein Ohr als Schal umzulegen.

Papa hatte gerade die Vorhänge zur Seite geschoben.

„Schaut mal. Heute könnt ihr den Mond vom Bett aus sehen.“

Zwischen den Dächern hing er hell und rund am Himmel.

Karl legte sich auf die Seite. Lumi setzte sich auf das mitgebrachte Kissen.

„Gute Aussicht“, sagte es.

Eine Weile sahen sie einfach nur hinaus.

Dann zog etwas Graues vor das Fenster.

Zuerst fehlte ein kleines Stück vom Mond. Dann die Hälfte. Dann blieb nur ein schmaler heller Rand übrig.

Und plötzlich war auch der verschwunden.

Lumi richtete sich auf.

Karl setzte sich im Bett hin.

„Wo ist er denn jetzt?“

Am Fenster war nur noch dunkler Himmel zu sehen.

Lumi schaute nach links. Dann nach rechts. Dann hinter sein Kissen.

„Hier nicht“, stellte es fest.

Das Gedanken-Monster hob den Kopf.

„Vielleicht hat er Feierabend gemacht“, sagte es. „Und sich einen Schlafanzug mit sehr großen Taschen angezogen.“

Karl stellte sich den Mond im Schlafanzug vor. In eine Tasche hätte bestimmt ein ganzes Haus gepasst.

Trotzdem hätte Karl ihn gern wieder am Himmel gesehen.

„Kann der Mond einfach weggehen?“

Lumi zog sein Kissen näher an sich.

„Ich weiß es nicht“, sagte es. „Aber gerade konnte ich ihn noch sehen.“

Karl rief Papa, der auf dem Flur ein Handtuch zusammenlegte.

„Der Mond ist weg!“

Papa kam zurück und blickte aus dem Fenster.

„Wollen wir zusammen nachschauen?“

Karl nickte.

Papa setzte sich neben ihn aufs Bett. Von dort konnten alle gut hinaussehen. Lumi musste nur ein bisschen zur Seite rutschen, damit sein Ohr nicht im Weg war.

„Vielleicht ist die Scheibe schmutzig“, überlegte Lumi.

Es betrachtete sein Kissen. Dann das Fenster. Dann wieder sein Kissen.

„Aber damit putze ich nicht.“

„Das musst du auch nicht“, sagte Papa.

Er zeigte nach oben. Neben dem Schornstein leuchtete noch ein einzelner Stern.

„Den können wir durch die Scheibe sehen.“

Während sie hinschauten, wurde auch der Stern schwächer.

Dann verschwand er.

Lumi drückte sein Kissen an den Bauch.

„Jetzt fehlt der auch.“

Karl rückte näher zu Papa.

Das Gedanken-Monster hatte den Ohrschal aufgegeben. Es stand neben dem Bett und schaute aufmerksam zum Himmel.

„Da bewegt sich etwas“, sagte Karl.

Über den Dächern schob sich eine dunkle Form entlang. Ihr Rand war an einer Stelle heller, fast silbern. Ein kleiner Zipfel sah aus wie eine Nase.

„Ein riesiger Hund“, flüsterte das Gedanken-Monster.

Lumi legte den Kopf schief.

„Eine Kartoffel mit Ohren.“

Karl musste lachen.

„Eine Wolke!“

„Ja“, sagte Papa. „Eine Wolke vor dem Mond.“

Alle schauten wieder hin.

Die Wolke wanderte langsam weiter. So langsam, dass Karl zwischendurch dachte, sie wäre stehen geblieben. Aber ihre silberne Kante veränderte sich. Die Kartoffelnase wurde länger. Ein Ohr löste sich auf.

Dann entstand mitten im Grau eine kleine helle Lücke.

Lumi beugte sich vor.

Das Gedanken-Monster hielt sein heruntergerutschtes Ohr fest.

Die Lücke wurde größer.

Und dort war er.

Der Mond.

Erst ein Stück, dann immer mehr, bis er wieder hell über den Dächern stand.

„Da bist du ja“, sagte Karl leise.

Lumi ließ sein Kissen sinken.

„Er war die ganze Zeit dahinter?“

Papa nickte.

„Die Wolke hat ihn verdeckt. Jetzt ist sie weitergezogen.“

Karl schaute zu Lumi. Dann nahm er sein eigenes Kopfkissen und hielt es vor sein Gesicht.

„Bin ich weg?“

„Nein“, sagte Lumi sofort.

Karl schob das Kissen ein Stück herunter. Nur seine Augen schauten darüber hervor.

„Und jetzt?“

„Jetzt sehe ich dich wieder.“

Lumi betrachtete sein winziges Kissen.

„Mit meinem geht das nicht so gut.“

Es hielt das Kissen vor die Nase. Beide Ohren, beide Augen und fast der ganze Bauch blieben sichtbar.

Das Gedanken-Monster kicherte so sehr, dass es sich auf den Teppich setzen musste.

„Du bist eine sehr kleine Wolke“, sagte Karl.


Später lag Karl wieder unter seiner Decke.

Papa hatte ihm einen Kuss auf die Stirn gegeben. Die Tür stand einen mittelgroßen Spalt offen. Lumi hatte endlich den richtigen Platz für sein Kissen gefunden: neben dem Bett, mit dem Rücken an einer zusammengefalteten Kuscheldecke.

Am Himmel näherte sich eine neue Wolke dem Mond.

Karl beobachtete, wie ihr Rand vor das helle Licht glitt.

Diesmal musste niemand hinter einem Kissen nachsehen.

„Die sieht aus wie ein Boot“, murmelte Karl.

Das Gedanken-Monster nickte schläfrig.

„Mit einer Kartoffel als Kapitän.“

Lumi gähnte. Der kleine Halbmond auf seinem Bauch wurde breiter und wieder schmaler.

Bald war der Himmel vor dem Fenster dunkel.

Karl konnte den Mond nicht mehr sehen. Aber jetzt wusste er, wo er geblieben war.

Er zog die Decke bis ans Kinn.

„Wir müssen nicht warten, bis er wiederkommt, oder?“

„Wir können auch schlafen“, sagte Lumi.

Das war ein guter Vorschlag.

Karl schloss die Augen. Das Gedanken-Monster legte sein Ohr über die Schulter. Und Lumi kuschelte sich auf sein kleines Kissen.

Es passte ganz genau.

Gute Nacht, ihr Wolkengucker.
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