Noah hatte einen Obstladen eröffnet.
Er stand zwischen dem Küchentisch und dem Fenster und bestand aus einer umgedrehten Kiste. Auf einem Blatt Papier hatte Noah LADEN geschrieben. Mama hatte ihm bei den Buchstaben geholfen.
Nun legte er das Obst in Reihen.
Drei Äpfel vorn. Zwei Bananen dahinter. Die Birnen sollten auf den kleinen Teller.
Anna saß neben der Kiste und hielt ein Blatt Papier fest, damit es sich nicht wieder zusammenrollte. Das Apfelmonster war heute für die Schilder zuständig.
„Was kostet ein Apfel?“, fragte sie.
„Einen Holzknopf.“
„Und wenn jemand keinen hat?“
Noah dachte kurz nach.
„Dann kann er einen aus der Knopfschüssel nehmen.“
Anna nickte zufrieden. In diesem Laden konnte offenbar jeder einkaufen.
Noah nahm die erste Birne. Sie war gelbgrün und oben schmal, unten rund.
Die zweite sah ähnlich aus.
Die dritte war ganz anders.
Sie bog sich zur Seite. Unter dem Stiel hatte sie einen dicken Bauch, an dem eine kleine braune Schramme lag.
Noah hielt sie hoch.
„Die passt nicht dazu.“
Anna sah auf ihren Teller.
„Ist sie zu groß?“
„Nein. Zu krumm.“
Noah legte die Birne hinter die Kiste. Dann rückte er die anderen beiden so zurecht, dass ihre Stiele in dieselbe Richtung zeigten.
Der Laden sah ordentlich aus.
Es klopfte an der Küchentür.
Papa steckte den Kopf herein.
„Hat das Geschäft schon geöffnet?“
„Gleich“, sagte Noah.
Anna wollte aufstehen. Dabei rollte das große Ladenschild zurück in seine Rolle und stupste sie an die Nase.
„Mein Schild macht wieder zu.“
Noah legte zwei Bauklötze auf die Ecken. Nun blieb das Papier liegen.
Papa kam herein, nahm einen Holzknopf und kaufte einen Apfel.
Mama wählte eine Banane.
Anna spielte eine Kundin mit einem sehr kleinen Einkaufskorb. In Wahrheit war es der Deckel einer Teedose.
„Ich hätte gern eine Birne.“
Noah zeigte auf den Teller.
„Diese hier?“
Anna schaute hinter die Kiste.
„Wer liegt denn dort?“
Noah holte die krumme Birne hervor.
„Die ist nur übrig.“
Anna betrachtete sie von vorn. Dann von der Seite. Sie drehte ihren Kopf so weit, dass ihr grünes Blatt fast die Tischplatte berührte.
„Sie sieht aus wie eine Ente.“
Noah musste gegen seinen Willen lächeln.
„Eine Ente mit Stiel.“
Anna stellte ihren Dosendeckel ab.
„Darf die Ente auch in den Laden?“
Noah sah die braune Stelle an.
„Vielleicht ist sie nicht mehr gut.“
Mama kam näher.
„Das können wir uns ansehen“, sagte sie.
Sie wusch die Birne und legte sie auf ein Brett. Noah und Anna schauten zu, wie sie die Frucht aufschnitt.
Unter der Schramme lag eine kleine dunkle Stelle. Mama schnitt sie heraus. Der Rest der Birne war hell und saftig.
Noah sah auf die Stücke.
Die Entenform war verschwunden.
Dafür roch es jetzt nach Birne.
Mama legte ein Stück auf Noahs Teller. Er biss vorsichtig hinein.
Es schmeckte süß.
Anna wartete gespannt.
„Und?“
Noah kaute zu Ende.
„Wie Birne.“
„Erstaunlich“, sagte Anna sehr ernst.
Noah lachte.
Dann schaute er zu den beiden Birnen auf dem Teller. Eine hatte einen langen Stiel. Die andere einen kurzen. Selbst die Äpfel waren nicht genau gleich rund.
„Wir brauchen noch ein Schild“, sagte er.
Anna zog ein frisches Blatt heran.
Noah malte eine kleine Ente darauf. Darunter schrieb Mama nach seinem Wunsch: PROBIERSTÜCKE.
Die Stücke der krummen Birne kamen auf einen flachen Teller, mitten in den Laden.
Papa wollte noch einmal einkaufen.
Diesmal blieb er vor der Ente stehen.
„Was kostet denn ein Probierstück?“
Noah schaute zu Anna.
Anna schaute zur Knopfschüssel.
„Ein fröhliches Quaken“, entschied Noah.
Papa quakte so tief, dass Anna beinahe in ihren Dosendeckel fiel.
Als der Laden schloss, räumten sie die Knöpfe und Bauklötze weg. Das Obst kam zurück in die Schüssel.
Nur das Entenschild blieb am Fenster stehen.
Noah saß daneben und aß das letzte Stück Birne.
Anna lehnte sich an die Kiste. Ihr Blatt war vom vielen Schilderhalten ein wenig zerknittert.
Noah strich es vorsichtig glatt.
„Du bist heute auch nicht ganz gerade.“
Anna betrachtete ihren Schatten auf dem Tisch.
„Aber noch immer Anna.“
Draußen bewegte sich ein Zweig vor dem Fenster.
Noah legte die Füße auf die Querstrebe seines Stuhls.
Morgen konnte der Laden wieder öffnen.
Vielleicht mit einer Banane, die wie ein Telefon aussah.