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Leni aus der Welt der Farbenmonster.

FARBENMONSTER · DRITTE REIHE · CA. 6–10 MINUTEN

Leni und der Himmelvorrat

Eine Geschichte mit Jonas und Leni.

Auf Jonas’ Maltisch lag ein großes Blatt Papier. Er hatte ein Meer gemalt, blau bis an den Rand. Darüber war noch alles weiß. „Da kommt ein Himmel hin“, sagte er zu seinem Stoffhund. Der Hund antwortete nicht, aber seine Nase zeigte zustimmend nach oben.

Jonas nahm den blauen Pinsel. Dann hielt er inne. Wenn der Himmel genauso blau wurde wie das Meer, würde man die beiden vielleicht gar nicht auseinanderhalten können. Er schaute in seinen Farbkasten. Nur ein einziges Blau. Das war ein Problem.

Unter dem Tisch klapperte ein leerer Wasserbecher. Heraus kam ein gelbes Monster mit einer violetten Haarlocke. An seinen Pfoten klebte trockene Farbe. „Leni“, sagte es. „Farbenmonster. Ich suche einen Platz, an dem ein Klecks niemanden stört.“

Jonas schob ein altes Stück Pappe herüber. Leni stellte den Becher darauf, verbeugte sich und betrachtete das Meer. „Da könnte ich mit meinen Zehen drin sitzen.“ „Es ist aber gemalt“, sagte Jonas. „Dann nur mit meinen gemalten Zehen“, antwortete Leni.

Er erklärte ihr das Problem mit dem Himmel. Leni legte den Kopf schief. „Vielleicht kann dein Blau noch etwas anderes sein als genau dieses Blau.“ Sie zeigte auf die weiße Farbe. Jonas holte eine kleine Mischschale und ein Extrablatt. Das große Meer sollte erst einmal trocken werden.


In der Schale vermischte er etwas Blau mit einem Tupfen Weiß. Die neue Farbe war heller. Er malte einen Strich. Dann gab er noch Weiß dazu und malte daneben einen zweiten. Leni hielt beide Pfoten hinter dem Rücken, obwohl sie schrecklich gern mitgerührt hätte.

„Der zweite sieht aus wie der Himmel beim Frühstück“, sagte Jonas. Leni nickte. „Der erste eher wie nach dem Frühstück.“ Jonas lachte. Er wusste nicht, ob der Himmel wirklich zu bestimmten Mahlzeiten so aussah. Aber die beiden Streifen unterschieden sich deutlich.

Er begann oben auf dem großen Blatt. Der Pinsel glitt hin und her. Nach drei breiten Bahnen war die Schale leer. Jonas mischte neue Farbe an. Diesmal nahm er zuerst Weiß und dann Blau. Als er weitermalte, entstand ein dunklerer Streifen mitten im hellen Himmel.

Er hielt den Pinsel still. „Oh nein.“ Leni rückte näher, ohne das nasse Blatt anzufassen. Jonas strich noch einmal darüber. Der Unterschied blieb. Er strich ein drittes Mal. Jetzt wurde das Papier an der Stelle sehr nass.

„Ich wollte einen ganzen Himmel. Keinen gestreiften“, sagte er. Der Stoffhund schaute noch immer nach oben, als hätte er nicht bemerkt, dass die Sache gerade schwierig geworden war. Jonas legte den Pinsel hin. Ein blauer Tropfen fiel auf die Pappe.

Leni setzte sich neben ihn. „Soll ich etwas sagen oder nur sitzen?“ „Erst sitzen“, antwortete Jonas. Also saßen sie. Draußen schob sich eine Wolke über das Fenster. Ihr Schatten wanderte über den Tisch, über das Meer und über Lenis gelbe Pfoten.


Nach einer Weile zeigte Jonas auf den Himmel. „Vielleicht kann ich alles noch einmal übermalen.“ „Vielleicht“, sagte Leni. „Wir könnten vorher auf dem kleinen Blatt ausprobieren, was dir gefällt.“ Sie nahm zwei neue Schälchen. Eines blieb leer, im anderen war noch ein Rest der dunkleren Mischung.

Jonas gab zum Rest ein wenig Weiß. Er testete die Farbe. Noch zu dunkel. Noch ein wenig Weiß. Nun war sie ähnlich, aber nicht genau gleich. Er sah auf das große Bild und dann durchs Fenster. Die Wolke hatte einen grauen Bauch und einen hellen Rand.

„Der echte Himmel ist auch nicht überall gleich“, sagte er langsam. Er wollte seinen Streifen trotzdem nicht einfach schön finden müssen. Also probierte er auf dem Extrablatt aus, wie zwei Blautöne nebeneinander aussahen, wenn der Übergang weich wurde.

Leni durfte einen sauberen Pinsel anfeuchten. Jonas zog damit vorsichtig zwischen den beiden Probeflächen entlang. Die Farben liefen ein wenig ineinander. „Das!“, sagte er. „Das möchte ich versuchen.“

Sie warteten, bis das große Blatt nicht mehr so nass war. Dann malte Jonas mit weniger Farbe weiter. Der dunkle Streifen wurde ein breites, weiches Band. Darüber blieb der Himmel hell. Unterhalb traf er auf das kräftige Meer. Man konnte beides unterscheiden. Und der Himmel sah nun weiter aus, als Jonas zuerst geplant hatte.


Zum Schluss malte er ein winziges Boot aufs Wasser. Leni bekam die Aufgabe, eine Fahne auf einem eigenen Zettel zu entwerfen. Ihre Fahne bestand aus einem einzigen gelben Punkt. „Das bin ich aus großer Entfernung“, erklärte sie.

Jonas klebte den trockenen Zettel neben das Bild. Unten schrieb Mama später seinen Namen dazu. Jonas bat sie, auch Lenis Namen aufzuschreiben. Das Monster betrachtete die Buchstaben sehr zufrieden. Es hatte beim Malen keinen einzigen Pinsel ungefragt genommen.

Als sie aufräumten, standen drei verschiedene Blautöne auf dem Extrablatt. Jonas wollte es nicht wegwerfen. Er legte es zum großen Meer. „Das ist mein Himmelvorrat.“

Leni wusch ihre Pfoten in der dafür bereitgestellten Schüssel. Die violette Locke blieb trocken. Der Stoffhund saß noch immer am Tisch und schaute auf das Bild. Jetzt konnte er über das Meer bis ganz nach oben sehen. Dorthin, wo Jonas’ hellstes Blau aufhörte und der richtige Nachmittag begann.

Schön, dass du dabei warst.