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Karl aus der Welt der Weltmonster.

WELTMONSTER · DRITTE REIHE · CA. 6–10 MINUTEN

Karl und die reisende Karte

Eine Geschichte mit Mia und Karl.

Mia und Opa wollten auf die Wiese hinter dem Spielplatz gehen. In Mias Rucksack lagen eine Trinkflasche, ein Apfel und ein schmales Band aus Stoff. Das Band hatte gestern noch eine Geschenkverpackung zusammengehalten. Heute sollte es zeigen, woher der Wind kam.

An der Gartentür wartete ein moosgrünes Monster mit einem runden Rucksack. Es hatte kleine Blattspitzen auf dem Kopf und hielt eine Karte verkehrt herum. „Karl“, sagte es. „Weltmonster. Auf dieser Karte liegt der Spielplatz leider über meinem Kopf.“

Mia drehte das Papier um. „Jetzt nicht mehr.“ Karl sah zufrieden aus. Opa schloss die Gartentür, und gemeinsam gingen sie los. An der ersten Ecke flatterte das Stoffband. Mia hielt es am Ende fest. Es streckte sich zur Seite wie ein ganz schmaler Schal.

„Heute finden wir den Wind“, verkündete sie. Karl blickte die Straße hinunter. „Hoffentlich erkennen wir ihn.“ Opa deutete auf das Band. „Ihn selbst sehen wir nicht. Aber wir sehen, was er bewegt.“ Karl schaute auf seine Blattspitzen. Eine davon wackelte. „Dann hat er mich schon gefunden.“


Auf der Wiese legte Mia ihren Rucksack neben Opa auf die Bank. Über ihnen rauschte ein Baum. Weiter hinten bog sich das hohe Gras. Mia hielt das Band hoch. Es flatterte kräftig. Karl hielt die Karte fest, damit sie nicht davonflog.

„Er kommt von da“, sagte Mia und zeigte in die Richtung, aus der die Luft gegen ihre Hand drückte. Opa stellte sich daneben. Sie drehten sich ein wenig, bis sie das Band gut sehen konnten. Dann malte Mia einen Pfeil auf ihre Karte.

Karl wollte auch etwas eintragen. Er malte eine Bank, die aussah wie ein sehr breiter Käfer. Mia fand, man konnte sie trotzdem erkennen. Neben die Bank zeichnete sie den Baum. Dann gingen sie ein paar Schritte zu einer niedrigen Mauer am Wiesenrand.

Hinter der Mauer hing das Band plötzlich fast still herunter. Mia hob den Arm höher. Es zuckte ein wenig und wurde wieder ruhig. Sie runzelte die Stirn. „Jetzt ist der Wind weg.“ Karl schaute um die Mauerecke. Seine Blattspitzen begannen sofort wieder zu wackeln.

„Bei mir ist er noch“, meldete er. Mia lief nicht davon, sondern ging mit Opa um die Ecke. Nun flatterte auch ihr Band wieder. Hinter der Mauer wurde es ruhiger. Davor zog es an ihren Haaren. Sie wechselten zweimal hin und her.

„Die Mauer hält einen Teil des Windes ab“, sagte Opa. „Hier ist es geschützter.“ Mia dachte nach. Auf ihrer Karte gab es bisher nur einen Pfeil. Der konnte unmöglich alles erzählen. Sie malte hinter die Mauer einen kleinen Kringel und schrieb mit Opas Hilfe: Hier weniger Wind.


Gerade packte Karl seinen Stift ein, da kam eine kräftige Böe. Die Karte rutschte ihm aus der Pfote. Sie überschlug sich im Gras und flog ein Stück weiter. „Unsere Wiese!“, rief Karl, als wäre die ganze Landschaft davongeweht.

Mia machte einen Schritt hinterher. Opa hielt nicht sie fest, sondern sagte ruhig: „Wir bleiben hier auf der Wiese. Ich hole sie.“ Die Karte war an einem niedrigen Strauch hängen geblieben, weit vor der Straße. Opa ging hinüber und nahm sie vorsichtig aus den Zweigen.

Eine Ecke war geknickt. Der gemalte Baum hatte einen grünen Strich quer durch die Krone bekommen. Mia nahm das Blatt entgegen und strich es auf der Bank glatt. „Jetzt sieht man unseren Pfeil kaum noch.“ Sie klang enttäuscht. Sie hatte sich so viel Mühe gegeben.

Karl öffnete seinen Rucksack. Darin lag eine feste Pappe. „Ich habe immer einen Boden für bewegliche Karten dabei“, sagte er. Bisher hatte er bloß vergessen, ihn herauszuholen. Opa gab ihnen zwei Klammern. Damit befestigten sie das Papier auf der Pappe.

Mia zeichnete den Pfeil noch einmal nach. Neben dem Knick malte sie einen kleinen wirbelnden Strich. „Das ist die Stelle, an der unsere Karte selbst Wind gespielt hat.“ Karl schaute ernst auf den Strich. „Eine sehr kurze Forschungsreise.“


Für ihre Pause setzten sie sich hinter die Mauer. Dort konnten sie in Ruhe trinken. Opa teilte den Apfel. Mia beobachtete, wie oben im Baum noch immer die Blätter tanzten, während das Band auf ihrem Schoß fast still lag.

„Es kann am selben Ort verschieden sein“, sagte sie. Opa nickte. „Schon ein paar Schritte machen manchmal einen Unterschied.“ Karl legte die Pfoten auf seinen Rucksack. „Auf meiner Seite der Mauer schmeckt der Apfel jedenfalls ausgezeichnet.“

Auf dem Rückweg prüfte Mia das Band noch einmal an der Gartentür. Es bewegte sich anders als vorhin. Sie malte keinen neuen Pfeil mehr. Die Karte durfte von ihrem Ausflug erzählen, ohne für jeden späteren Wind zuständig zu sein.

Zu Hause legte sie das Papier auf den Tisch. Der Knick blieb sichtbar. Auch der breite Bankkäfer blieb. Karl stellte seinen Rucksack daneben und betrachtete die Zeichnung. „Wir haben den Wind nicht mitgebracht“, sagte er.

Mia nahm das Stoffband und hängte es über die Stuhllehne. „Aber wir wissen jetzt, wo man gemütlich Pause machen kann.“ Das fand Karl für eine Weltreise, die hinter dem Spielplatz begonnen hatte, ein ziemlich gutes Ergebnis.

Schön, dass du dabei warst.