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Frank und David aus der Welt der Gefühlsmonster.

GEFÜHLSMONSTER · DRITTE REIHE · CA. 7–10 MINUTEN

Frank, David und der kleine Schritt

Eine Geschichte mit Ben, Frank und David.

Ben stand vor dem niedrigen Balancierbalken auf dem Spielplatz. Gestern war er mit Papa bis zur Hälfte gekommen. Heute wollte er bis ans Ende. Der Balken war nicht hoch, aber wenn Ben daraufstand, fühlte er sich schmaler an als vom Boden aus.

Papa setzte sich auf die Bank direkt daneben. „Ich bin hier“, sagte er. Ben legte eine Hand auf das Holz. Es war trocken und warm. Am anderen Ende saßen zwei kleine Monster. Das eine war korallenrot und hatte runde Ohren. Das andere war hellblau mit einer weichen Stirnlocke.

„Ich bin Frank“, sagte das rote Monster. „Und ich David“, sagte das blaue. Frank wippte mit den Füßen. David hielt ein Blatt zwischen den Pfoten. „Wir schauen, was man von hier alles sehen kann.“

Ben zeigte auf den Balken. „Ich will heute ganz rüber.“ Frank nickte begeistert. David legte sein Blatt beiseite. Beide rutschten vom Holz, damit der Weg frei war. Ben stieg auf. Er breitete die Arme aus. Der erste Schritt ging gut. Der zweite auch.

Beim dritten wackelte sein Fuß. Ben sprang auf den Boden zurück. Sein Herz klopfte schnell. Frank hatte schon den Mund zum Jubeln geöffnet und schloss ihn wieder. David sagte nichts. Er rückte nur ein Stück näher an den Balken.


Ben schaute zu Papa. „Gestern ging es besser.“ Papa kam zu ihm. „Möchtest du meine Hand?“ Ben schüttelte den Kopf. Eigentlich wollte er sie. Aber er wollte auch, dass Frank und David sahen, wie er allein bis ans Ende kam.

Frank kratzte sich am Ohr. „Ich habe mich gerade schon aufs Klatschen gefreut.“ Ben trat gegen ein kleines Stück Holz am Boden. „Dann freu dich eben nicht.“ Frank ließ die Pfoten sinken. Eine Weile hörten sie nur die Schaukel quietschen.

David setzte sich auf den Boden. „Ich glaube, ich wäre gleichzeitig neugierig und wackelig“, sagte er. „Wenn ich da oben wäre.“ Ben schaute ihn an. „Wackelig ist kein Gefühl.“ „Stimmt“, sagte David. „Aber manchmal finde ich das passende Wort erst später.“

Ben setzte sich neben ihn. Papa blieb in der Nähe. Frank setzte sich auf die andere Seite, mit ein bisschen Abstand. „Du musst nicht für mich rübergehen“, sagte er. „Meine Pfoten können auch Pause machen.“

Ben strich über seine Hose. Er war ärgerlich, weil es nicht geklappt hatte. Er war auch ein bisschen erschrocken. Und er wollte immer noch auf den Balken. Die drei Sachen lagen in ihm durcheinander wie Bauklötze in einer Kiste.

„Ich will und ich will nicht“, sagte er schließlich. David nickte. „Beides gerade?“ „Ja.“ Frank betrachtete den Balken. „Dann müssen wir vielleicht nicht sofort entscheiden.“ Er legte seine Hände in den Schoß, damit man sehen konnte, dass sie wirklich Pause machten.


Sie beobachteten eine Weile die anderen Kinder. Ein Mädchen ging seitwärts über den Balken. Ein kleiner Junge hielt sich an seiner Mutter fest. Ein Kind sprang schon nach einem Schritt wieder hinunter und rannte zur Rutsche. Niemand machte genau dasselbe.

Ben stand auf. „Ich möchte noch einmal. Aber erst nur bis zu dem dunklen Fleck.“ Der Fleck lag vor der Mitte. Papa kam neben ihn. „Soll ich dir die Hand geben oder nur hier stehen?“ Ben überlegte. „Die Hand beim Aufsteigen. Dann schauen wir.“

Er stieg hinauf. Papas Hand war warm. Frank und David standen ein Stück entfernt. Sie riefen nichts. Ben machte einen Schritt. Dann noch einen. Beim dunklen Fleck blieb er stehen. Der Balken fühlte sich immer noch schmal an.

„Hier“, sagte Ben. „Hier wollte ich hin.“ Er sah auf den Rest des Weges. Das Ende war noch weit genug entfernt, um sich heute groß anzufühlen. Papa fragte nicht, ob er noch weiterkönne. Er wartete.

Ben ließ Papas Hand kurz los. Seine Arme gingen zur Seite. Einen Moment stand er allein. Dann griff er wieder zu. „Ich steige ab.“ Papa half ihm auf den Boden. Bens Knie waren weich, aber sein Mund begann zu lächeln.

Frank hob eine Pfote. „Darf ich mich jetzt freuen?“ Ben nickte. „Ja. Aber nicht so laut.“ Frank klatschte zweimal ganz sanft. David grinste. „Bis zum Fleck.“ „Und kurz ohne Hand“, ergänzte Ben. Das war ihm wichtig.


Sie gingen zur Bank und tranken etwas. Ben lehnte sich an Papa. Er hatte den Balken nicht ganz geschafft. Wenn er daran dachte, ärgerte es ihn noch ein bisschen. Gleichzeitig mochte er den Moment, in dem er allein gestanden hatte.

„Ich bin trotzdem stolz“, sagte er. Dann fügte er hinzu: „Und trotzdem ein bisschen sauer.“ Frank hielt seine beiden Pfoten nebeneinander. „Hier könnte das eine sitzen. Hier das andere.“ David legte sein Blatt dazwischen. „Und hier die Pause.“

Ben lachte. Das Blatt war klein und hatte einen krummen Rand. Es sah überhaupt nicht aus wie eine Pause. Trotzdem passte es gerade gut. Er nahm es nicht mit, sondern legte es zurück ins Gras.

Bevor sie gingen, schaute er noch einmal zum Balken. Der dunkle Fleck war von hier aus kaum zu erkennen. Ben wusste trotzdem genau, wo er war. Vielleicht würde er morgen weitergehen. Vielleicht würde er erst wieder Papas Hand nehmen. Heute führte sein nächster Weg nach Hause. Frank und David liefen ein Stück neben ihm, ohne irgendein Ziel auszurufen.

Schön, dass du dabei warst.