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Anna aus der Welt der Hausmonster.

HAUSMONSTER · DRITTE REIHE · CA. 6–10 MINUTEN

Anna und der gelbe Schlafwagen

Eine Geschichte mit Hannah und Anna.

Hannah suchte ihren gelben Hausschuh. Den rechten hatte sie am Fuß. Der linke war weg. Sie schaute neben das Bett, unter den Stuhl und hinter ihren Rucksack. Nirgends war etwas Gelbes zu sehen. Nur ihre Socke leuchtete einsam auf dem Teppich.

Im Flur stand ein Wäschekorb. Hannah erinnerte sich, dass sie vorhin darübergestiegen war. Vielleicht lag der Schuh dahinter. Sie ging nachsehen. Aus dem Korb ragten zwei runde Ohren. Dann erschien eine orange Nase.

„Ich bin keine Wäsche“, sagte das kleine Monster im Korb. „Ich bin Anna. Hausmonster. Und ich glaube, ich sitze auf einem Handtuch.“ Hannah zog vorsichtig das obere Tuch zur Seite. Anna kletterte heraus und strich über ihre gestreifte Bauchtasche.

„Ich suche meinen Schuh“, erklärte Hannah. Anna sah auf den rechten Fuß. „Einer ist schon gefunden.“ „Der war nie weg.“ „Dann haben wir immerhin einen zuverlässigen Anfang.“ Das Monster stellte sich neben Hannah und schaute unter die Garderobenbank.

Dort lagen ein Bauklotz und ein zusammengefalteter Schal. Kein Schuh. Hannah seufzte. Sie wollte gleich mit Mama zum Bäcker gehen. Danach sollten sie auf dem Sofa frühstücken. Ohne den Hausschuh würde ihr linker Fuß dabei frieren.


Anna schlug vor, sich an den Morgen zu erinnern. Hannah setzte sich auf die Bank. „Ich war im Bad. Dann habe ich mein Buch geholt. Dann wollte ich dem Teddy ein Haus bauen.“ Anna hob die Ohren. „Ein Haus ist ein guter Ort für einen Hausbesuch.“

Sie gingen ins Kinderzimmer. Das Teddyhaus bestand aus einem Kissen und einer Decke. Darunter saßen drei Stofftiere. Hannah hob die Decke an. Kein Hausschuh. Sie stellte das Kissen wieder auf, doch es rutschte zur Seite. Der Teddy fiel um.

„Jetzt geht auch noch das Haus kaputt.“ Hannah klang ärgerlich. Anna hielt das Kissen fest, während sie den Teddy aufrichtete. „Wir können erst das Haus fertig machen und dann weitersuchen.“ Hannah nickte. Sie mochte es nicht, wenn wegen einer verschwundenen Sache plötzlich alles durcheinandergeriet.

Als das Haus wieder stand, schauten sie ins Bad. Mama kam gerade mit einem leeren Becher heraus. „Was sucht ihr?“ Hannah erklärte es. Mama half ihnen, hinter die Tür zu sehen. Dort hing nur das große blaue Handtuch.

„Du hattest vorhin doch einen Zug gebaut“, erinnerte sich Mama. Hannah schaute auf. Das stimmte. Vor dem Teddyhaus hatte es einen Zug gegeben. Und vor dem Zug eine Höhle. Der Morgen war schon voller Dinge gewesen, obwohl sie noch gar nicht gefrühstückt hatten.

Anna legte eine Pfote auf ihre Bauchtasche. „Vielleicht ist der Schuh mitgefahren.“ Hannah ging zurück ins Zimmer. Auf dem Teppich lagen nur noch die Klötze, aus denen die Schienen gewesen waren. Den Zug selbst hatte sie in die große Spielzeugkiste geräumt.


Gemeinsam öffneten sie die Kiste. Hannah wollte sofort alles herausziehen. Anna zeigte auf den freien Platz daneben. „Wollen wir die Sachen hier ablegen? Dann finden wir nachher auch die Kiste wieder.“ Hannah lachte trotz ihres Ärgers.

Zuerst kamen zwei Autos heraus. Dann ein roter Wagen. Dann ein langer Bauklotz. Unten lag ein gelber Hausschuh. In seiner Öffnung saß ein winziger Stofffrosch. Er sah aus, als hätte er die ganze Zeit auf die nächste Haltestelle gewartet.

„Mein Schlafwagen!“, rief Hannah. Jetzt erinnerte sie sich genau. Der Schuh war weich gewesen und der Frosch klein. Also hatte sie ihm darin ein Bett gebaut. Beim Aufräumen war der ganze Schlafwagen in der Kiste verschwunden.

Anna beugte sich zum Frosch. „Die Reise ist beendet. Bitte einmal aussteigen.“ Hannah hob ihn heraus und schlüpfte in den Schuh. Der fühlte sich anfangs ein bisschen zusammengedrückt an, dann wieder wie immer. Beide Füße waren warm.

Mama schaute herein. Hannah zeigte ihr den Frosch. „Ich habe den Schuh selbst weggeräumt.“ Mama lächelte. „Gut, dass ihr noch einmal an den Zug gedacht habt.“ Hannah war erleichtert. Zugleich fand sie es etwas lustig, dass sie so gründlich nach etwas gesucht hatte, das sie selbst eingepackt hatte.


Vor dem Ausflug stellte Hannah ihre Hausschuhe nebeneinander an die Garderobe. Für den Frosch suchte sie eine kleine Schachtel. Anna half, ein weiches Tuch hineinzulegen. Die Schachtel bekam einen Platz neben der Spielzeugkiste.

„Jetzt kann sein Bett hierbleiben“, sagte Hannah. „Und meine Schuhe auch.“ Anna nickte. „Zwei gute Wohnungen.“ Sie betrachtete die Schachtel noch einmal. „Nur für mich etwas niedrig.“ Hannah bot ihr ein Sofakissen an. Das passte besser.

Als sie vom Bäcker zurückkamen, standen beide Schuhe noch da. Hannah schlüpfte hinein und trug den Frühstücksteller zum Sofa. Mama brachte die Becher. Anna saß auf ihrem Kissen, als hätte sie den Platz schon seit vielen Jahren gekannt.

Der Frosch durfte beim Frühstück zusehen. Er lag in seiner Schachtel und brauchte keine Fahrkarte mehr. Hannah biss in ihr Brötchen. „Morgen bauen wir vielleicht wieder einen Zug“, sagte sie.

Anna hob vorsichtig eine Pfote. „Mit einem Wagen, der nicht an deinen Fuß gehört?“ Hannah nickte. Unter der Decke berührten sich ihre beiden gelben Hausschuhe. Diesmal mussten sie nirgendwohin. Das war für Schuhe manchmal auch ein sehr schöner Vormittag.

Schön, dass du dabei warst.