Emma hatte drei Schilder geschrieben.
Auf dem ersten stand ein großes A. Auf dem zweiten ein B. Das dritte zeigte ein Z, das ein bisschen schief geworden war. Emma fand, es sah aus, als würde es sich gemütlich hinlegen.
Die Schilder waren für das Picknick im Garten.
„A wie Apfel“, sagte sie und stellte das erste vor die Schüssel mit den roten Äpfeln. „B wie Birne.“
Die Birnen kamen daneben. Zum Schluss legte Mama eine gelbe Zitrone auf einen kleinen Teller.
„Die schneide ich später fürs Wasser auf.“
Emma stellte das Z dazu.
Alles hatte seinen Platz.
Unter dem Gartentisch raschelte es.
Emma hielt inne. Die Tischdecke bewegte sich, obwohl der Wind gerade Pause machte. Eine runde Beule schob sich über das Gras.
„Mama?“
„Ich bin hier“, sagte Mama hinter dem Apfelbaum.
Emma trat einen Schritt zurück.
Unter der Decke hörte jemand auf zu rascheln.
„Verzeihung“, sagte eine Stimme. „Ich suche den Ausgang.“
Eine kleine rote Pfote erschien. Dann ein rundes Gesicht mit rosa Wangen. Auf dem Kopf wuchs ein grünes Blatt.
Das Wesen blinzelte ins Licht.
„Da ist er ja.“
„Wer bist du?“, fragte Emma.
„Anna. Ich bin ein Apfelmonster.“
Anna sah auf die Schilder.
„Oh! Ein A. Das passt zu meinem Namen.“
Emma kam wieder näher. Das Monster war kaum größer als die Obstschüssel. An seinem Blatt klebte ein Stück Tischdeckenfranse.
„Du hast etwas am Kopf.“
Anna zog die Franse ab.
„Ein Andenken an die Reise.“
Emma lachte.
Mama breitete die Picknickdecke unter dem Baum aus. Emma und Anna durften die Servietten und Schilder hinübertragen. Die Schüsseln brachte Mama.
Gerade als Anna das Z mit beiden Pfoten hochhob, kam der Wind zurück.
Er fuhr unter die Servietten.
Er zupfte an Emmas Haaren.
Und er pustete alle drei Schilder davon.
Das A landete im Gras. Das B drehte sich einmal um sich selbst. Das Z segelte bis zum Fuß des Apfelbaums.
Anna wollte hinterherlaufen, verhedderte sich aber in einer Serviette.
„Ich bin verpackt!“, rief sie.
Emma hielt die übrigen Servietten fest. Mama stellte die Schüsseln ab und half Anna heraus.
Als sie die Schilder eingesammelt hatten, sah das Picknick anders aus.
Das B stand bei den Äpfeln. Das Z lag neben den Birnen. Und Anna hielt das A verkehrt herum.
Emma zog die Stirn kraus.
„Jetzt stimmt gar nichts mehr.“
Sie hatte sich solche Mühe gegeben. Sogar das schiefe Z war noch einmal nachgezogen worden.
Anna betrachtete den Buchstaben in ihren Pfoten.
„Vielleicht machen wir ein neues Picknick. Mit Bäpfeln.“
„Bäpfel gibt es nicht.“
„Schade. Und Zirnen?“
Emma schüttelte den Kopf. Doch ihr Mund wollte schon ein bisschen lächeln.
Anna stellte das A vorsichtig ins Gras.
„Wir können langsam anfangen. Welches Schild gehört zu mir?“
Emma sah das rote Monster an. Dann das A.
„Anna. A.“
„Und zu meinem Obst?“
„Apfel!“
Emma nahm das Schild und stellte es vor die Apfelschüssel. Mama gab ihr einen glatten Stein, damit es nicht wieder wegflog.
Das B war schwieriger zu finden. Es lag unter einer gefalteten Serviette, von der nur eine kleine Ecke hochstand.
Anna hob die Serviette an.
„Hier schläft jemand.“
Emma zog das Schild hervor.
„B wie Birne.“
Sie setzte es zu den grünen Birnen. Auch dieses Schild bekam einen Stein.
Nun fehlte nur das Z.
Emma schaute zur Zitrone. Anna schaute zum Baum.
Dort lehnte das Schild im Schatten. Von der Decke aus konnte man es kaum sehen.
Anna holte es mit beiden Pfoten. Auf dem Rückweg begann der Wind wieder zu wehen.
Das Papier bog sich.
Anna hielt fest.
Ihr Blatt flatterte.
„Diesmal nicht“, murmelte sie.
Emma kam ihr entgegen und nahm das andere Ende. Zusammen trugen sie das Z bis zum Zitronenteller.
Mama legte den letzten Stein darauf.
Geschafft.
Emma betrachtete die Reihe.
A bei den Äpfeln. B bei den Birnen. Z bei der Zitrone.
„Jetzt kann jeder sehen, wo etwas liegt.“
Anna setzte sich neben das A.
„Und wo ich liege.“
Sie streckte die kleinen Füße aus.
Mama schnitt das Obst in Stücke. In der Wasserkanne schwammen dünne Zitronenscheiben wie gelbe Räder.
Emma biss in ein Stück Birne.
Anna lehnte sich an den Picknickkorb. Ihr Blatt bewegte sich leise im Wind.
„Müssen wir heute noch alle anderen Buchstaben machen?“, fragte Emma.
Anna dachte nach.
„Ich glaube, drei reichen für dieses Picknick.“
Das fand Emma auch.
Später legte sie sich auf die Decke und schaute durch die Äste nach oben. Zwischen den Blättern waren kleine Stücke Himmel zu sehen.
Neben ihr raschelte eine Serviette.
Diesmal wusste sie gleich, was es war.
Anna zog sie sich über die Füße.
Das schiefe Z stand noch immer bei der Zitrone.
Nun sah es wirklich aus, als würde es sich ausruhen.