Am Samstag lag ein kariertes Tuch auf dem Küchentisch. Emma strich jede Falte glatt. Heute wollte sie für Papa einen Obstteller machen. In der Schüssel warteten Äpfel, Birnen und eine gelbe Quitte, die Oma aus ihrem Garten mitgebracht hatte. Die Quitte roch ein wenig nach Blumen und ein wenig nach einem Geheimnis.
Emma legte drei kleine Karten neben die Schüssel. Auf einer stand A, auf einer B und auf der letzten hatte sie mit Omas Hilfe ein großes Q gemalt. Das Q sah aus wie ein O, dem ein winziger Schwanz gewachsen war. „Du bist heute mein Lieblingsbuchstabe“, sagte Emma.
„Meiner ist M“, antwortete jemand hinter der Birne.
Ein pfirsichfarbenes Monster schob sich hervor. Es hatte zwei samtige Blattohren und eine kleine Tasche vor dem Bauch. Aus der Tasche lugte ein gefaltetes Tuch. „Monika“, stellte es sich vor. „Obstmonster. Und zuständig für besonders gute Düfte.“ Es schnupperte an der Quitte und bekam vor Vergnügen ganz schmale Augen.
Emma zeigte auf ihre Karten. „A wie Apfel. B wie Birne. Q wie Quitte. Ich mache eine Ausstellung zum Essen.“ Monika nickte ernst. „Eine Ausstellung mit anschließendem Aufessen. Ausgezeichnet.“ Dann setzte sie sich auf einen Topflappen, als wäre er ein Besucherstuhl.
Oma wusch die Früchte. Den Apfel und die Birne schnitt sie in Stücke. Als Emma nach der Quitte griff, hielt Oma kurz inne. „Die bereiten wir erst zu. Diese hier ist roh sehr hart. Ich kann uns daraus ein kleines Kompott kochen.“
Emma betrachtete ihre Ausstellung. Der Apfel bekam einen Teller. Die Birne bekam einen Teller. Vor dem Q blieb es leer. „Dann fehlt ja meine wichtigste Station.“ Sie schob die Karte ein Stück zurück. Plötzlich sah der schöne Tisch unfertig aus.
„Vielleicht stellen wir den Topf hin“, schlug Monika vor. „Mit einem Schild: Bitte nicht am Henkel knabbern.“ Emma musste ein bisschen lachen. Aber nur ein bisschen. Sie hatte sich vorgestellt, dass alles gleichzeitig fertig wäre. Jetzt sollte sie warten, obwohl sie schon Hunger hatte und Papa bald vom Einkaufen kam.
Oma begann, die Quitte vorzubereiten. Emma blieb mit Monika am Tisch. „Wir könnten in der Zwischenzeit riechen“, sagte das Monster. „Riechen ist auch eine Art Kennenlernen.“ Sie hielten zuerst Abstand und schnupperten dann vorsichtig an einem Apfelstück. Emma fand, es roch frisch. Monika fand, es roch nach Apfel. „Eine sehr genaue Beschreibung“, sagte Emma.
Die Birne duftete leiser. Das war natürlich kein richtiger Ton. Trotzdem wusste Monika sofort, was Emma meinte. Sie malten neben das B eine kleine Nase. Neben das A kam auch eine. Beim Q malte Emma eine besonders große Nase. Die Quitte hatte ihren Duft bis auf den Topflappen geschickt.
Dann klingelte es. Papa stand mit zwei Einkaufstaschen vor der Tür. „Oh, eine Ausstellung!“ Er beugte sich über den Tisch. Emma stellte sich schnell vor die leere Stelle. „Noch nicht gucken. Das Q fehlt.“
Aus der Küche kam ein sanftes Blubbern. Oma rührte im Topf. „Es braucht noch einen Moment.“ Emma presste die Lippen aufeinander. Sie wollte nicht noch einen Moment. Sie wollte jetzt stolz auf ihren fertigen Tisch sein.
Monika zupfte an ihrem Tuch. „Ich glaube, deine Ausstellung ist größer geworden“, sagte sie. „Jetzt gehört das Warten mit dazu.“ Emma sah sie an. „Warten kann man aber nicht essen.“ „Das stimmt“, sagte Monika. „Ich habe es mehrfach versucht.“
Papa stellte die Taschen ab und setzte sich. „Darf ich bei A anfangen, während Q noch in der Küche ist?“ Emma dachte nach. Dann rückte sie die erste Karte gerade. „Ja. Aber du musst auch sagen, wie es sich anhört.“
Papa biss in ein Apfelstück. Knack. Monika klatschte leise. Die Birne war weich und machte kaum ein Geräusch. Emma probierte ebenfalls. Sie beschrieb die Birne als saftig und den Apfel als knusprig, obwohl knusprig vielleicht eher zu Keksen passte. „Für deine Beschreibung musst du kein Prüfungswort finden“, sagte Papa.
Schließlich brachte Oma ein Schälchen mit dem gekochten Obst. Sie ließ es erst abkühlen und prüfte die Temperatur. Dann bekam jeder einen kleinen Löffel. Emma kostete vorsichtig. Die Quitte schmeckte anders, als sie erwartet hatte: süßlich, ein bisschen säuerlich und ganz weich.
„Und?“, fragte Monika. Emma überlegte. „Wie etwas, das Zeit gebraucht hat.“ Sie malte neben das Q einen kleinen Topf. Darunter schrieb Oma auf Emmas Wunsch: Erst kochen, dann abkühlen, dann probieren.
Nach dem Essen war der Apfelteller leer und auf dem Birnenteller lag noch ein Stück. Vom Kompott blieb etwas für morgen übrig. Emma wollte die Karten schon wegräumen, doch Papa bat, sie liegen zu lassen. „Ich möchte später noch einmal durch deine Ausstellung gehen.“
Monika faltete ihren Topflappen zusammen. „Ich auch. Besonders durch den Teil mit der großen Nase.“ Emma stellte das Q wieder ganz nach vorne. Sein kleiner Schwanz zeigte nun direkt zum Kompottschälchen. Als wüsste der Buchstabe genau, wo es langging.