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Nils aus der Welt der Tiermonster.

TIERMONSTER · DRITTE REIHE · CA. 6–10 MINUTEN

Nils und das grüne Versteck

Eine Geschichte mit Lina und Nils.

Lina hatte einen Hocker an die offene Gartentür gestellt. Von dort konnte sie die Blumen am Weg sehen. Auf dem Tisch neben ihr lagen ein Blatt Papier und ein grüner Stift. Heute wollte sie ein Tier zeichnen, das sich noch niemand für sie ausgesucht hatte.

Papa schnitt am anderen Ende des Gartens verblühte Blumen ab. „Ich bin hier“, sagte er. Lina winkte. Sie sah eine Fliege, aber die flog weg. Eine Ameise verschwand zwischen zwei Platten. Dann bewegte sich etwas Rundes hinter ihrem Hocker.

Es war ein sandfarbenes Monster mit weichen Hängeohren. Über seiner Nase saßen drei dunkle Sommersprossen. Es trug kein Tier in den Pfoten, sondern ein zusammengerolltes Sitzkissen. „Nils“, sagte es. „Tiermonster. Ich bringe meinen Warteplatz selbst mit.“

Lina zeigte ihm ihr leeres Blatt. „Ich suche jemanden zum Zeichnen.“ Nils setzte sich neben sie. „Dann suchen wir mit den Augen.“ Eine Weile geschah nichts. Ein Blatt zitterte. Eine Wolke schob sich vor die Sonne. Nils faltete seine Ohren sorgfältig nach hinten, damit sie nicht auf dem Boden lagen.

Plötzlich rief Lina: „Da!“ Auf einem großen Blatt nahe am Weg saß eine Raupe. Sie war grün, mit einer dünnen hellen Linie an der Seite. Lina hatte sie erst bemerkt, als sie sich bewegte. Das grüne Tier auf dem grünen Blatt war beinahe unsichtbar gewesen.


Lina kniete sich auf den Weg. Nils blieb hinter ihr. „Die sieht aus wie ein winziger Zug ohne Räder“, flüsterte er. Die Raupe schob sich langsam vorwärts. Lina wollte mit ihrem Stift anfangen, doch kaum sah sie auf das Papier, war das Tier schon an einer anderen Stelle.

„Warte doch“, sagte sie. Die Raupe wartete nicht. Sie kroch an den Blattrand. Lina hielt den Stift in der Luft. „Wenn sie dauernd weitergeht, kann ich sie nicht malen.“ Nils betrachtete sein Sitzkissen. „Ich könnte sehr gut stillhalten. Aber ich bin keine Raupe.“

Lina lachte kurz. Dann kam ihr eine Idee. Sie holte ihre durchsichtige Spielzeugdose. „Wenn sie hier drin wäre, könnten wir sie besser sehen.“ Sie hielt die Dose schon über das Blatt, berührte die Raupe aber noch nicht.

Papa kam näher. „Lass sie lieber auf ihrer Pflanze“, sagte er. „Wir können sie auch dort beobachten.“ Lina senkte die Dose. Sie hatte das Tier nicht erschrecken wollen. Sie wollte nur endlich anfangen. Nils nahm ihr die leere Dose ab und stellte sie hinter den Hocker.

„Vielleicht müssen wir nicht alles auf einmal zeichnen“, sagte er. „Was weißt du denn schon?“ Lina sah auf ihr Blatt. „Sie ist lang. Und grün. Und nicht so dick wie dein Finger.“ Nils betrachtete seinen Finger. „Das ist eine hilfreiche Unterscheidung.“

Lina zeichnete einen langen grünen Körper. Er wurde etwas krumm. Das passte. Die Raupe hatte sich inzwischen ebenfalls gekrümmt. Lina malte die helle Linie, indem sie einen schmalen Streifen Papier frei ließ. Jetzt war das Blatt nicht mehr leer.


Als sie wieder aufsah, war die Raupe verschwunden. Lina sprang fast auf. „Jetzt ist sie weg!“ Nils legte seinen Stift beiseite. Er hatte versucht, einen Warteplatz für Raupen zu zeichnen, und war noch nicht über ein Quadrat hinausgekommen.

Sie suchten mit den Augen den Stängel ab. Lina wollte die Blätter zur Seite ziehen. Papa deutete auf die untere Kante. „Schau einmal von hier, ohne die Pflanze zu bewegen.“ Lina ging in die Hocke. Da war ein grüner Bogen unter dem Blatt.

Die Raupe hing auf der Unterseite. Ihre kleinen Füße hielten sich fest. Lina konnte nur einen Teil von ihr erkennen, aber das genügte. Sie atmete hörbar aus. „Sie hat einfach die Seite gewechselt.“

„Wie in einem Buch“, sagte Nils. „Nur ohne Umblättern.“ Er legte sich nicht auf die Pflanze, sondern bäuchlings auf sein Kissen neben dem Weg. Von dort sah er genau unter das Blatt. Seine Ohren lagen nun doch auf dem Boden. Er bemerkte es nicht einmal.

Lina zeichnete ein zweites Bild: ein Blatt mit einem kleinen grünen Bogen darunter. Daneben malte sie ihr eigenes Auge. Papa schrieb auf ihren Wunsch dazu: Genau hinschauen. Nils bat um einen zweiten Satz: Manchmal auch von unten.


Später trugen sie die Dose wieder ins Haus. Sie war leer geblieben. Lina legte ihre beiden Bilder daneben. Auf dem ersten sah die Raupe etwas zu lang aus, auf dem zweiten etwas zu rund. Trotzdem erkannte sie ihr Gartentier sofort wieder.

„Weißt du, was aus ihr wird?“, fragte sie Papa. Er schüttelte den Kopf. „Welche Art das ist, weiß ich nicht. Das können wir gemeinsam in einem Buch nachschauen.“ Lina fand es angenehm, dass auch Papa nicht auf jede Frage sofort eine Antwort hatte.

Nils rollte sein Kissen ein. Ein trockenes Blatt klebte an einem seiner Ohren. Lina zeigte darauf. „Du hast auch jemanden mitgebracht.“ Das Monster nahm das Blatt vorsichtig ab und legte es unter die Hecke.

Bevor sie hineinging, schaute Lina noch einmal zur Pflanze. Sie konnte die Raupe diesmal nicht entdecken. Aber sie wusste jetzt, dass nicht alles verschwunden war, nur weil man es gerade nicht sah. Auf ihrem Papier warteten zwei grüne Bilder. Und im Garten durfte die Raupe ihren Nachmittag ganz in Ruhe weiterkriechen.

Schön, dass du dabei warst.