David hatte eine Schachtel voller Wörter gefunden.
Sie gehörte zu einem Spiel, das Mama mit ihm machen wollte. Auf jedem kleinen Kärtchen stand ein Wort. Manche kannte David schon. Bei den anderen konnte Mama vorlesen.
Bruno saß neben der Schachtel und sah sehr zufrieden aus.
„Das ist beinahe ein ganzer Vorratsschrank.“
„Man kann die Wörter nicht essen“, sagte David.
„Ich weiß. Aber aufheben.“
Das Wortmonster zog seine Tasche zurecht. Darin steckten bereits drei Lieblingswörter und ein Zettel, auf dem noch gar nichts stand.
„Der ist für später.“
Mama legte zwei Karten auf den Tisch.
SONNE.
BLUME.
David las langsam. Bei Blume half Mama mit dem ersten Laut.
Dann schob sie die Karten dicht zusammen.
„Was könnte daraus werden?“
David schaute auf die Wörter.
„Sonneblume?“
„Fast. Sonnenblume.“
Bruno hob beide Pfoten.
„Die kenne ich. Mit dem großen gelben Kopf.“
David holte einen Stift und malte eine Blume daneben, die fast so groß war wie die beiden Karten zusammen.
Das Spiel gefiel ihm.
Mama legte REGEN und SCHIRM hin.
David zog die Karten zusammen.
„Regenschirm!“
Bruno tat so, als müsste es darunterrücken.
„Zum Glück. Meine Wortzettel sollen trocken bleiben.“
Nun wollte David ein besonders langes Wort bauen.
Er suchte in der Schachtel und legte HAUS neben TÜR.
„Haustür.“
Dann kam SCHLÜSSEL dazu.
Mama las das lange Wort mit ihm.
„Haustürschlüssel.“
David grinste.
Bruno schaute auf die drei Karten.
„So ein kleines Ding hat einen sehr langen Namen.“
David zog immer mehr Karten aus der Schachtel.
BROT.
WOLKE.
SCHUH.
TOPF.
Er schob sie hintereinander.
„Brotwolkenschuhtopf.“
Bruno legte den Kopf schief.
Mama musste lachen.
David auch.
Dann wurde er wieder ernst.
„Aber das ist gar kein richtiges Wort.“
Er hatte ein langes Wort bauen wollen, das etwas bedeutete. Nun lag nur ein seltsamer Haufen auf dem Tisch.
Bruno sah auf die Karten.
„Ich könnte mir einen Topf vorstellen, in dem Schuhe aus Wolken wachsen.“
„Und das Brot?“
„Das wäre noch zu klären.“
David schob die Karten auseinander.
Ein paar glitten vom Tisch. Eine landete unter seinem Stuhl.
Er seufzte.
„Jetzt ist alles durcheinander.“
Mama half ihm, die heruntergefallenen Karten aufzuheben.
„Wir können wieder mit zwei anfangen.“
Bruno legte seinen leeren Zettel in die Mitte.
„Vielleicht bauen wir eine Brücke. Ein Wort auf jeder Seite.“
David nahm HAUS und SCHUH.
Dazwischen blieb ein kleiner Abstand.
„Hausschuh“, sagte er.
Er zeigte auf seinen Fuß.
Bruno nickte begeistert.
David schob die beiden Karten zusammen.
Die erste Brücke war fertig.
Als Nächstes legten sie BLUME neben TOPF. Mama erklärte, dass daraus Blumentopf wurde. David sprach das Wort langsam nach und zeigte zum Fenster.
Dort stand einer.
Die Wörter hatten plötzlich etwas mit dem Zimmer zu tun.
Sie waren nicht nur schwarze Zeichen auf Karten.
David suchte nach SONNE und SCHIRM.
„Sonnenschirm!“
„Den können wir heute drinnen lassen“, sagte Mama.
Bruno holte seinen Zettel mit dem Wort KISSEN hervor.
David sah sich im Zimmer um.
Auf dem Sofa lag ein Kissen. Darum war ein weicher Bezug mit blauen Streifen.
Mama schrieb BEZUG auf Brunos leeren Zettel.
Zusammen lasen sie KISSENBEZUG.
Bruno hielt die beiden Zettel hoch.
„Jetzt hat mein Lieblingswort etwas zum Anziehen.“
David lachte.
Dann griff er noch einmal nach BROT und WOLKE.
Mama wartete.
„Brotwolke gibt es vielleicht nicht“, sagte David. „Aber ich kann eine malen.“
Er zeichnete eine Wolke mit einer knusprigen Kruste. Darunter schwebten drei kleine Brötchen.
Bruno betrachtete das Bild sehr lange.
„Für dieses Wort würde ich einen Platz in meiner Tasche finden.“
Später räumten sie die Karten wieder in die Schachtel.
Die Sonnenblume und der Haustürschlüssel kamen nebeneinander zu liegen. Der Hausschuh lag obenauf.
David behielt das Bild mit der Brotwolke.
Bruno durfte die beiden neuen Zettel mitnehmen.
Als Mama die Schachtel ins Regal stellte, war der Tisch wieder frei.
David setzte sich aufs Sofa und zog die Beine an.
Bruno lehnte sich an das Kissen mit dem blauen Bezug.
„Manche Wörter kenne ich jetzt besser“, sagte David.
Bruno nickte.
„Und eines gibt es auf deinem Bild.“
David schaute zur Brotwolke.
Für heute musste sie nirgendwohin schweben.
Sie durfte einfach über dem Tisch hängen und ein bisschen unmöglich sein.